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Zu den Hexenprozessen

Hallo Freunde

Hier die Aktivitäten der Düsselhexen zur Rehabilitation Wernigeroder Hexen:


Presseberichte zu den Hexenprozessen -->


Mittwoch, 13.April 2011

Ein Text von Herrn Hegeler an die Volksstimme Wernigerode:

Waren Hexen schuld an der Pest in Wernigerode?

"Das war das Werk des Teufels!" Alle waren sich einig: "Das konnte einfach nicht mit rechten Dingen zugehen!" Kriege, Krankheiten und Katastrophen erzeugten bei den Menschen Angst und Panik. Sie litten Hunger, das Vieh starb und Krankheiten breiteten sich aus. Wetterkatastrophen plagten die Bevölkerung. Alle fragten: "Wieso passieren diese Katastrophen?" In der Zeit der Hexenverfolgungen führten die Menschen in ihrer abergläubischen Weise alles auf Schadenszauber zurück. In Zeiten großer Not und großer Katastrophen suchte man, heute wie damals, Sündenböcke – und man fand sie. Die Hetzjagd auf die ‚Hexen‘ begann.

Über den Zeitraum von 350 Jahren wurden Menschen beschuldigt, von Gott abgefallen zu sein und sich einer geheimen Vereinigung von Satansanhängern angeschlossen zu haben - der Hexensekte. Die Kirchen forderten gemäß der Bibel die Todesstrafe für Zauberer und Hexen. Menschen wurden beschuldigt, von Gott abgefallen zu sein und sich einer geheimen Hexensekte angeschlossen zu haben. "Man solle sie zu Tode verbrennen!" forderten Bürger auf dem Höhepunkt der Hexenverfolgungen.

Höhepunkt war das Jahr 1597, als die Pest über Deutschland hinwegzog. Die Angst trieb die Bevölkerung umher. Die Gerüchteküche brodelte, unschuldige Bürgerinnen wurden der Hexerei verdächtigt. 26 Frauen und Männer wurden allein in diesem Pestjahr als Hexen hingerichtet:
– Agnete, Drewes Hintzes FrauZillie, Drewes Blumen WitweRichterscheHans Bruns Frausowie 12 weitere Personen (darunter Ilse Arneken von Darlingerode, Katharina Bernburg und weitere 5 Auswärtige).

Wer in Verdacht geriet, wurde vom Hexengericht zunächst gütlich befragt. Die Vorwürfe lauteten: Pakt mit dem Teufel, Teufelsbuhlschaft (Geschlechtsverkehr), Teilnahme am Hexensabbat und Schadenszauber gegen Wetter, Mensch und Tier.

Dann folgte das peinliche Verhör. Die Angeklagten wurden gefoltert, bis sie die Schmerzen nicht mehr aushielten und die unsinnigsten Verbrechen gestanden. Zunächst wurden die Daumenschrauben angelegt, dann folgten die Spanischen Stiefel. Zum Schluss erfolgte das Aufziehen an einem Seil, wobei unter schrecklichen Schmerzen die Schultergelenke ausgekugelt wurden. Die Folter wurde angewandt, um ein Geständnis zu erzwingen. Nur wenn ein Geständnis vorlag, konnte der Richter das Todesurteil auf dem Scheiterhaufen verhängen.

47 Opfer forderten die Hexenprozesse in Wernigerode unter der Herrschaft der Grafen zu Stolberg. Die Hexenjagd begann 1521 (3 Zauberinnen) und 1523 (Angeklagte Alheit Rufugs und Alheit Stegs) und dauerte bis 1665 (Prozess gegen Elisabeth Hademers). Die Angeklagten starben auf schreckliche Weise.

Nie sind die Opfer der Hexenprozesse jedoch rehabilitiert worden, sie gelten bis jetzt als schuldig im Sinne der Anklage: sie hätten sich dem Teufel verschrieben, Gott verleugnet und durch Zauberei Schaden über die Menschheit und die Natur bewirkt. Es muss deutlich gesagt werden: es gab keine „Hexen“, sondern Menschen wurden durch die Folter zu „Hexen“ gemacht.
Aus heutiger Sicht sind die wegen Hexerei verurteilten Frauen und Männer im Sinne der Anklage für unschuldig zu erklären. In Zeiten der modernen Naturwissenschaften ist jedem einsichtig, dass ein Mensch nicht auf einem Besenstiel zum Hexensabbat fliegen oder mit Zauberei Wetterkatastrophen oder Krankheiten bewirken kann.

Diese Einsicht könnte der Stadt Wernigerode ein Anlass sein, an ihn und an die Opfer der Wernigeroder Hexenprozesse durch eine Gedenktafel / Denkmal zu erinnern und ihre Ehre durch eine Rehabilitation wiederherzustellen.

Im Zentrum HarzKultur Wernigerode wird Pfr. i.R. Hartmut Hegeler ab 29. Mai 2011 eine Ausstellung über die Zeit der Hexenprozesse zeigen und einen Vortrag zum Thema halten.


Hier noch einiges zu Wernigerode.

Im Landeshauptarchiv in der Orangerie des Wernigeröder Lustgartens werden schriftliche Dokumente aus über 1000 Jahren deutscher Geschichte verwaltet. Dazu zählen auch Unterlagen über Hexenprozesse im Harz. Als in der Walpurgisnacht in zahlreichen Orten wieder die Hexenfeuer loderten, ging völlig unter, wie viele Frauen und Männer im Harz unschuldig als Hexen und Zauberer den Feuertod sterben mussten.

In Wernigerode wurde im September 1609 die letzte als Hexe angeklagte Frau öffentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Hexenverfolgung fand damit hier jedoch noch nicht ihr Ende. Das letzte Opfer war eine Frau Hintze, der man Hexerei vorwarf. Sie starb im Januar 1638 im ungeheizten Gefängnis auf Schloss Wernigerode, nachdem sie mindestens einen Tag lang nichts zu essen und zu trinken erhalten hatte. Dem Wachposten hatte sie zuvor noch gesagt, dass sie unschuldig sei, die Leute würden nur viel erzählen. Der letzte Scheiterhaufen, auf dem ein Mensch öffentlich in Wernigerode verbrannt wurde, loderte im Jahre 1735. Auf ihm wurde Heinrich Hauenschild als Brandstifter des Königlichen Forsthauses am Mönchstieg verbrannt, nachdem der Scharfrichter ihm zuvor den Kopf abgeschlagen hatte.

Zu Beginn des Jahres jährte sich zum 470. Mal, dass erstmals von einer Fahrt in der Walpurgisnacht auf den Brocken die Rede war. Nicht in Wernigerode, sondern in der benachbarten Stadt Elbingerode war Grethe Wroystes mit weiteren Frauen wegen des Vorwurfs der Zauberei in Haft geraten. Es haben sich gleich drei unterschiedliche Ausfertigungen des Protokolls ihres Verhörs vom Sonnabend nach Ephi (= 10. Januar) 1540 im Landeshauptarchiv erhalten. Darin heißt es: Grethe Wroystes „sagt, daß die Mastische und Andres Krusen Weyb die rechten Zeubereschen [seien]. Die pflegen in Walpurgennacht auf den Brocken zu fharen, setzen Sebe auf die Kopfe und haben holtzern Buchsen in den Henden und brengen solchs durch Teufelsch Gespenst zu wegen.“ Sie selbst sei auch einmal mit der Frau von Steffen Fricke hinauf auf den Brocken gefahren, wo sie sich mit den anderen – insgesamt fünf – getroffen hätte.

Durch diese Aussage, festgehalten in einem Gerichtsprotokoll, ist im deutschen Sprachraum erstmals der Aberglaube vom Treffpunkt der Hexen auf dem Brocken in der Nacht zum 1. Mai schriftlich dokumentiert, der später u.a. durch Goethes Faust überregionale Verbreitung fand.
Dem gräflichen Archivar und Bibliothekar Eduard Jacobs ist zu verdanken, dass dieser Hinweis auf den ersten Hexenflug zum Brocken 1873 in der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde publiziert wurde. Jacobs hatte ihn in einer Akte des „Gräflich Stolberg’schen gemeinschaftlichen Archiv zu Stolberg am Harz“ gefunden, die heute im Landeshauptarchiv in Wernigerode verwaltet wird.

Zum kommenden Tag des offenen Denkmals am 12. September wird sie erstmals einer größeren Öffentlichkeit präsentiert werden.
Von Jörg Brückner, Volksstimme Wernigerode, 03.05.2010

Infos:
Hartmut Hegeler
Sedanstr. 37
D-59427 Unna
Tel. 02303 - 53051
www.anton-praetorius.de


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